Gesundheit
Kommentare 7

Hilfe zur Selbsthilfe: Was du über die 3 häufigsten Nahrungsmittelintoleranzen wissen solltest

Wie wäre es jetzt mit einem leckeren Stück Kuchen aus Weizenmehl mit ganz viel Obst und Sahne? Vielleicht bist du ja jemand, der sofort zustimmend nickt und am liebsten gleich bei mir vorbeikommen möchtest auf ein Kaffeekränzchen. Vielleicht kann ich dir damit aber auch überhaupt nicht den Mund wässrig machen. Einer Studie zufolge verzichtet fast jeder 4. in Deutschland auf bestimmte Lebensmittel, um Bauchweh, Blähungen und Durchfall zu verhindern. Meist sind es Indizien dafür, dass dein Körper bestimmte Lebensmittel nicht oder nur teilweise verarbeiten kann.

Das Thema Nahrungsmittelintoleranzen ist momentan sehr beliebt und überall präsent. An jeder Ecke kannst du mittlerweile glutenfreies Brot oder laktosefreie Milch kaufen. Da die Symptome zu Allergien ähnlich sind, kommt es auch immer wieder zu Verwechslungen.

Nun frage ich mich, sind Intoleranzen gerade Trend? Was ist es genau, was sind ihre Ursachen und wie wird man sie wieder los?

Das Wort Nahrungsmittelunverträglichkeit wird meist als Überbegriff für sämtliche Beschwerden infolge einer übermäßigen oder untypischen Reaktion hergenommen. Dazu gehören Nahrungsmittelallergien und Nahrungsmittelintoleranzen.

Unterschied zwischen einer Allergie und einer Intoleranz:

  • Intoleranzen finden OHNE Beteiligung des Immunsystems statt (der Körper hat bei Intoleranzen die Fähigkeiten verloren, bestimmte Nahrungsmittelbestandteile zu verdauen: bspw. Fructose, Lactose, Sorbit oder Histamin)
  • Nahrungsmittelallergie ist eine Reaktion des Immunsystems (Allergen-Antikörper-Reaktion)
  • Allergien sind schwierig zu diagnostizieren und die Tests für Allergien (besonders bei der verzögerten Nahrungsmittelallergie Typ 3) sind umstritten

Da oft nicht nur eine Intoleranz vorliegt, sondern meist 2-3, kann die Diagnose auch hier etwas erschwert und langwierig werden. Das tückische daran ist, dass die Symptome nicht direkt nach dem Verzehr auftreten, sondern erst zeitversetzt. Deshalb wird vielen Betroffenen auch empfohlen ein Ernährungstagebuch zu schreiben.

Zu den 3 häufigsten Nahrungsmittelintoleranzen zählen:

  1. Lactose-Intoleranz
  2. Fructose-Intoleranz
  3. Gluten-Intoleranz

Lactose-Intoleranz

Lactose ist der Milchzucker, der im Dünndarm vom Enzym Lactase in seine Bestandteile Glucose (Traubenzucker) und Galactose (Schleimzucker) gespalten und über die Dünndarmschleimhaut ins Blut geschleust wird.

Bei einer Lactose-Intoleranz kann der Milchzucker entweder überhaupt nicht oder nur in sehr geringen Mengen gespalten und verstoffwechselt werden, da ein Lactase-Mangel vorliegt.

Das heißt die Lactose gelangt unverändert in den Dickdarm und wird dort von der Darmflora fermentiert. Es entstehen starke Blähungen, Koliken, Durchfall, Übelkeit oder Erbrechen.

Genau genommen ist die Lactose-Intoleranz der natürliche Zustand und die Lactose-Toleranz die Mutation. Denn Milch ist von Natur aus eine Säuglingsnahrung und Säuglinge haben noch genügend Lactase. Erst ab dem 3. Lebensjahr wird die Produktion eingestellt, sodass Milchprodukte nicht mehr optimal verdaut werden können.

Nun ist es aber so, dass ca. 10% der Weltbevölkerung in den nördlichen Industrienationen sich angepasst haben und bei ihnen auch nach dem 3. Lebensjahr noch ausreichend Lactase produziert wird.

Lactose-Intoleranz bei Säuglingen:

Betroffene Babies vertragen dann nicht einmal die Muttermilch. Diese müssen dann notgedrungen auf fertige Nahrung auf Sojabasis ausweichen.

Lactose-Intoleranz infolge Magen-Darm-Erkrankungen:

Diese Intoleranz gilt als Begleiterscheinung von akuten oder chronischen Erkrankungen des Magen-Darmtraktes. Wenn die Erkrankung abklingt und die Darmschleimhaut nicht mehr gereizt ist, dann kann sich die Verdaulichkeit von Lactose auch wieder bessern. Auch eine Einnahme von Antibiotika kann dazu führen, dass die Lactose-Intoleranz auftritt.

In diesem Fall empfehle ich immer eine Darmsanierung und eine umfassende Ernährungsumstellung, sodass die Darmschleimhaut wieder heilen kann.

Diagnose:

Eine Lactose-Intoleranz kann mit dem Wasserstoff-Atemtest festgestellt werden.

Was tun bei einer Lactose-Intoleranz:

  1. Nichts erzwingen (der Körper reagiert normal, da er kein Kalb oder Säugling ist)
  2. Lactosehaltige Lebensmittel meiden (Achtung: kann auch als Zusatzstoff in Brot, Wurst, Dressings, Gebäck, u.s.w enthalten sein)
  3. Sahne und Butter enthalten nur noch Spuren von Milchzucker; Ghee (Butterschmalz) ist komplett lactosefrei
  4. wenn es gar nicht anders geht auf Lactase-Tabletten zurückgreifen (Achtung: nicht mit zu heißen Speisen kombinieren, da Hitze Lactase inaktiviert)

Neben der Milchzucker-Intoleranz gibt es jedoch noch die Milcheiweiß-Allergie. Anzeichen dafür können Hautprobleme, (Ekzeme, Neurodermitis, Schuppenflechte), Verschleimung der Atemwege (verstopfte Nase, Niesanfälle, ständiges Räuspern), chronische Erkranung der Atemwege (Erkältung, Bonchitis, Angina, Nasennebenhöhlen- und Stirnnebenhöhlenentzündungen) sein. Das fatale dabei ist, dass die Symptome nicht sofort nach dem Genuss, sondern immer erst zeitversetzt auftauchen, was eine Diagnose erschwert.

Fructose-Intoleranz

Bei der Fructose-Intoleranz wird der Fruchtzucker nicht oder nur unvollständig abgebaut. Was sich schnell und sofort nach dem Essen mit Bauchschmerzen, Krämpfen, Blähungen oder Durchfällen bemerkbar macht.

Langfristige Symptome können Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit, Wetterfühligkeit, erhöhte Infektanfälligkeit, Depressionen oder Mangel an Mikronährstoffen (Folsäure und Zink) sein.

Fructose selbst ist ein Einfachzucker und ist in vielen Lebensmitteln (gemeinsam mit Glucose) vorhanden: Agavendicksaft, Ketchup, Maissirup, Früchte und Produkte mit Früchten wie Marmelade, Säfte, Kuchen, Joghurt, in Diät- und Lightprodukten, alle mit Haushaltszucker gesüßten Produkte, u.v.m.

Bei der Fructose-Intoleranz unterscheidet man zwischen der erworbenen und der vererbten. Die erworbene tritt meist im Teenager- oder Erwachsenen-Alter auf und ist eine Resorptionsstörung, die regenerierbar ist. Die vererbte Fructose-Intoleranz ist eine Stoffwechselstörung bzw. ein Enzymdefekt, die seit Geburt an besteht und auch nicht heilbar ist. Sie tritt sehr selten auf, ca. bei 1 von 20.000 Säuglingen. Betroffene müssen hier ein Leben lang eine strenge Diät halten.

Als mögliche Ursachen gelten:

  • andere Infektionen, die mit Antibiotika behandelt werden, „treten“ Entzündungen bspw. in Darmschleimhaut los
  • Antibiotika selbst schwächen die Darmschleimhaut und zerstören die Darmflora
  • langjährige übersäuernde Ernährungsweise
  • Infektionen mit (Hefe-) Pilzen (Candida albicans), die ein Ungleichgewicht der Darmflora verstärken
  • chronische Belastungen aller Art (ungünstige Ernährungsweise, anhaltender Stress, Dysbiose)

Diagnose:

In der Praxis wir die Fructose-Intoleranz oft mit dem Reizdarm Syndrom verwechselt. Doch kann sie ebenfalls, wie die Lactose-Intoleranz, mit dem Wasserstoff-Atemtest schnell nachgewiesen werden.

Was tun bei einer Fructose-Intoleranz:

  1. eine sofortige Ernährungsumstellung verspricht Linderung (weitere Informationen dazu gern in einer persönlichen Beratung)
  2. Glucose verbessert die Verträglichkeit (d.h. Früchte mit Glucose und Fructose Anteil verzehren: Aprikosen, Avocados, Litchis, Papayas)
  3. Früchte nicht auf leeren Magen (anders als sonst üblich) und in Kombination mit Getreide, Teigwaren essen
  4. Vorsicht bei Ballaststoffen (vor allem Kleie oder Inulin)
  5. Aufbau der Darmflora, Entsäuerung und basische Ernährung
  6. Mikronährstoffdefizite auffüllen, häufig Zink und Folsäure (Nüsse, Ölsaaten, grünes Blattgemüse, Kräuter, Avocados, Buchweizen, Hirse) zu sich nehmen

P9980274

Gluten-Intoleranz

Zu den 3 am häufigsten auftretenden Intoleranzen gehört auch die Gluten-Intoleranz. Hier werden glutenhaltige Getreidearten nicht vertragen. Gluten selbst ist ein Klebeeiweiß.

Schon kleinste Mengen können bei Kontakt die Darmschleimhaut entzünden. Schleimhautzellen bilden sich zurück, was wiederum eine reduzierte Nährstoffaufnahme zur Folge hat. Es kann zu Mangelerscheinungen kommen, was sich bei Kindern in Entwicklungs- und Wachstumsstörungen äußern kann.

Die Symptome einer Gluten-Intoleranz sind ebenfalls Durchfall, Blähungen, Völlegefühl und Appetitlosigkeit, was dann auch zu extremer Gewichtsabnahme führen kann.

Diagnose:

Sie wird anhand eines Bluttests oder im Rahmen einer Dünndarmspiegelung mit Gewebeentnahme diagnostiziert.

Was viele nicht wissen, es gibt auch die sogenannte Glutensensivität. An dieser kann man auch leiden, wenn der Glutenintoleranz-Test negativ ausfällt. Hier treten die Symptome auch meist zeitverzögert auf und werden dann meist nicht mit einer Nahrungsmittelunverträglichkeit in Verbindung gebracht. Die Symptome können hier recht unterschiedlich sein und gehen von Neurodermitis bis hin zu Epilepsie.

Gluten befindet sich in nahezu allen Brotsorten, Teig- und Gebäckwaren, Fertigprodukten, Gewürzen, Wurst, Schokolade, Dressings, Dips, Senf, Kartoffelprodukten und Süßigkeiten. Und vor allem ist es enthalten in: Weizen, Roggen, Hafer, Gerste, Dinkel, Grünkern, Kamut, Einkorn, Emmer und Seitan. Dieser steckt in vegtarischen/veganen Würstchen, Aufschnitt und anderen Fleischersatzprodukten.

Der Glutengehalt vor allem im Weizen ist in den letzten 50 Jahren von 5% auf mittlerweile 50% gestiegen. Dass da so mancher Verdauungstrakt nicht mehr mitspielt und bei vielen ein Gefühl von Verkleisterung entsteht, ist in meinen Augen kein Wunder.

Die sogenannten Pseudogetreidearten wie Quinoa, Amaranth, Buchweizen, Hirse, Reis und Mais sind dagegen glutenfrei. Hier gibt es mittlerweile ein großes Sortiment an Produkten im Einzelhandel wie: Mehle, Brote, Nudeln und Müslis.

Was tun bei einer Gluten-Intoleranz:

  1. Ernährungsgewohnheiten analysieren
  2. Ernährung umstellen
  3. Nährstoff- und Vitalstoffdefizite ausgleichen

P9980367

Abschließend möchte ich nochmals auf meine Eingangsfrage eingehen, ob Intoleranzen gerade Trend oder eine Modeerscheinung sind. Ich denke, dass es Intoleranzen schon immer gab und leider auch weiterhin geben wird. Jeder Mensch ist anders und jeder reagiert anders. Das Wichtigste jedoch ist, dass du auf dein Bauchgefühl hörst. Dein Bauchhirn sagt dir sehr genau, ob dieses Lebensmittel oder jene Speise etwas für dich ist oder nicht, sodass du erst gar nicht in Versuchung kommst, es zu probieren. Vielleicht ist die Intoleranz auch nur übergangsweise. Und wenn dein Körper wieder in Balance ist, sind auch die Intoleranzen wieder verschwunden.

Und denk‘ dran: Du darfst dich bewusst entscheiden, mit was du deinen Körper versorgst. Ob es lebendige Lebensmittel oder tote Nahrungsmittel sind.

Ich habe für mich persönlich beschlossen, dass ich meinen Körper nur noch mit frischen und vitalstoffreichen Lebensmitteln versorgen möchte. Kleine Ausnahmen gibt es natürlich auch bei mir. Seitdem geht es mir besser, ich habe keine Bauchkrämpfe oder die berühmte Trägheit nach dem Mittagessen mehr. Ob ich nun eine echte Lactose- oder Gluten-Intoleranz habe oder hatte, kann ich nicht sagen, da ich es nie habe testen lassen.

Als Milch kommt bei mir nur noch Pseudomilch in Form von Pflanzendrinks auf den Tisch. Einmal aus ethischen Gründen und zum anderen weil es mir einfach besser schmeckt. Bei Obst übertreibe ich es nicht. Und bei Getreide greife ich auch überwiegend zu Pseudogetreidesorten, weil ich gemerkt habe, dass es meiner Schilddrüse besser bekommt.

Wie präsent ist das Thema Intoleranzen in deinem Leben? Leidest du selbst darunter? Hast du deinen Weg zu einem gesunden Lebensstil bereits gefunden? Ich freue mich über deine Erfahrungen in einem Kommentar.

Be happy, healthy & in balance

Steffi

PS: Kennst du bereits meinen Newsletter? Die WOHLFUEHLPOST erscheint monatlich und enthält neben einer Zusammenfassung aus dem jeweiligen Monat, viele Tipps rund um die Themen mehr Leichtigkeit, Vitalität und Balance im Leben. 

Die WOHLFUEHLPOST ist kostenlos und jederzeit abbestellbar. Hier gehts zur Anmeldung:

http://wohlfuehlkost.us13.list-manage.com/subscribe?u=a56354b880ea99a33478b9fc7&id=b41ad3c883

Als Dankeschön sende ich dir mein eBook „WOHLFUEHLKOST – 30 Rezepte für mehr Leichtigkeit“ per Downloadlink in dein Mailpostfach.

7 Kommentare

  1. Danke, Steffi, für den interessanten Artikel. Ich bin froh, kann ich alles ohne Probleme essen. Für mich ist deshalb eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse (auch Rohkost) sehr wichtig. Und natürlich selber kochen und keine Fertigprodukte essen. 🙂 LG Carmen

    Gefällt 1 Person

    • Hallo liebe Carmen,
      lieben Dank für dein Feedback.
      Ja das stimmt, eine ausgewogene und frische Ernährung mit viel Gemüse, Obst und selbst kochen ist schon ein sehr wichtiger Baustein und Beitrag zur eigenen Gesundheit. 😉
      Ganz liebe Grüße aus Tirol
      Steffi

      Gefällt 1 Person

  2. Anonymous sagt

    Liebe Steffi,
    ehrlich, auch ich finde deinen Artikel sehr eingängig geschrieben.
    Nach einer Behandlung mit heftigen Antibiotika breitete sich zunächst der Candida aus…
    dann nahm das ganze Unglück von Fehlbehandlung seinen Lauf…
    Auf die erworbene Frucotoseintoleranz folgte die Glutenunverträglichkeit. Zu guter Letzt kam dann noch eine Histaminintoleranz… Mit diesen 3 Unverträglichkeiten sich zu ernähren, ist wahrlich ein Abenteuer.
    Über Tipps, Tricks und ernährungsdienliche Hinweise dazu würde ich mich sehr freuen.
    Besten Dank und Grüße,
    Stephanie

    Gefällt 1 Person

    • Hallo liebe Stephanie,

      lieben Dank für dein Feedback zu meinem Artikel und für deine Nachricht.

      Mit 3 Unverträglichkeiten sich zu ernähren ist wahrlich ein großes Abenteuer. Ganz pauschal kann ich deine Frage leider nicht beantworten. Jeder Mensch ist individuell und meist spielen da noch andere Themen mit rein.

      Bevor ich eine Beratung starte, bitte ich all meinen Klienten einen 9-seitigen Anamnesebogen auszufüllen, um mir so ein umfassendes Bild von der jeweiligen Situation machen zu können.

      Wenn du magst, können wir gern im Rahmen eines kostenlosen Kennenlerngesprächs (ca. 15-20 Minuten) telefonieren. Dort können wir schauen, ob eine Beratung für dich in Frage kommt. Weitere Details zu meinem Angebot findest du hier:

      https://wohlfuehlkost.de/coaching-beratung/

      Ganz liebe und herzliche Grüße
      Steffi

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s